Geschichte des TSV Starnberg

130 Jahre TSV Starnberg

zusammengestellt und verfasst von

Hans Beigel

Hans Beigel

Seit über 130 Jahren ist der TSV Starnberg einer der maßgebenden Sportvereine der Stadt Starnberg. Hier haben sich Menschen eines Ortes mit gemeinsamen Interessen zusammengeschlossen um Sport jeder Art zu treiben. Das öffentliche und gesellschaftliche Starnberger Leben von dazumal wurde überwiegend von seinen Vereinen bestimmt, sie waren vor allem Träger des kulturellen Lebens des Ortes. Der TSV ist nun in seiner Art und seinem Namen nach der zweitälteste heute noch bestehende Verein in Starnberg. 18 Jahre älter ist nur die Freiwillige Feuerwehr.

Die Gründung des TSV als eigenständiger Verein erfolgte am 25. Juli 1880 durch Adalbert Kinzinger, einem Gold- und Silberarbeiter der nach 16 jährigen Tätigkeit als Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg dieses 1878 aufgegeben hatte. Er gründete mit einem knappen Dutzend sportbegeisterter Starnberger in seiner ″Alpenhütte bei den sieben Quellen”, einem kleinen Salettl bei den “Sieben Quellen”, wo er bereits seit Jahren auch eine Fischzucht betrieb, den Verein.

Sport wurde aber in Starnberg schon früher betrieben, gehörte er doch zu den Pflichtübungen der 1862 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr. Aus dieser Zeit kennen wir eine „Turn-Ring-Gemeinschaft“ der Wehr. Auch trägt die erste Fahne der Feuerwehr die vier „F“ der Turner: Frisch – Fromm – Fröhlich – Frei. Es darf nicht vergessen werden, dass die Wiege des Turnvereins bei der Freiwilligen Feuerwehr stand. Bereits am 22. Juni 1862 wurde bestimmt “an soll zu Festen von Turnvereinen eingeladen wurde. Für die Gründer des Turnvereins war es dadurch nicht schwer, sofort mit bereits sportlich erfahrenen Leuten einen aktiven Verein auf die Beine zu stellen.

Wie schon zu Zeiten der Feuerwehr-Turnabteilung wurde zuerst im Speicher des Starnberger Schlosses geturnt, dann im Gasthof Zur Eisenbahn (heute: “Münchner Hof” bzw. “Königswasser”) und ab 1884 im Tutzinger Hof, in dem auch im Winter geturnt werden konnte. Im Sinne der turnerischen Zusammenarbeit wird der Verein am 15. April 1888 Mitglied im Turngau Weilheim. Zwölf Jahre später tritt der Verein jedoch wieder aus und gründet mit einigen Nachbarvereinen den „Amper-Würmthal-Gau“.

Der Zielsetzung entsprechend, entwickelte sich der TSV beachtlich gut. Unterstützt vom Patenverein Weilheim wurde am 28. Juni 1889 die erste Vereinsfahne, die heute noch erhalten ist, geweiht.

Bereits 1891 erwarb der TSV das erste Grundstück an der Brunnanger Straße, der damaligen Arnulfstraße, und 1893 konnte man die Fertigstellung einer zwar bescheidenen 15 x 12 m großen und 12 m hohen Halle mit Kneipzimmer und Waschkabinett, aber immerhin eigenen Hauses feiern. Das war für den knapp 80 Mitglieder starken Verein eine beachtliche Leistung, denn die Kosten betrugen immerhin 10 000 Mk. Dort wurde nun nicht nur allein Turnsport getrieben, sondern auch fast jede damals bekannte Sportart, viele Theaterstücke wurden aufgeführt und Faschingsbälle gefeiert

Es mag die Begeisterung der Starnberger Turner beweisen, dass der Erwerb des Grundstücks und der Hallenbau zunächst von den Mitgliedern getragen wurde, da der Verein noch nicht im Vereinsregister eingetragen war. Erst mit dem Grundbucheintrag vom 26.10.1900 gehörte der Besitz dem Verein, nachdem dieser bereits am 19. April 1900 durch den Eintrag in das Vereinsregister als e.V. rechtsfähig geworden war. Noch zweimal, 1901 und 1909 konnten angrenzende Grundstücke dazu erworben werden und die Anlage erreichte seinen heutigen Umfang. 1910, der Verein nahm ungeahnten Aufschwung, erwarb man das Gelände des sogenannten Waldspielplatzes an der südlichen Weilheimer Stra0e, dessen Verkauf fünfzig Jahre später die Errichtung des heutigen Stadions am Riedener Weg ermöglichte.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges unterbrach die lebhafte Vereinsentwicklung, aber bereits 1919 – in schwerster Zeit – nahm der TSV die Einweihung des Waldspielplatzes vor. Hier wurde auch zur Erinnerung an die Gefallenen des 1. Weltkrieges ein 120 Zentner schweren Findling als Denkmal aufgebaut und am 4. September 1921 feierlich eingeweiht. Im Fundament wurde dabei eine Kassette mit den 42 Namen eingemauert.

Unnötig zu sagen, dass in den Zeiten des Dritten Reiches der erzwungene Anschluss an den Reichsbund für Leibesübung als Kreis 18 im NSRL-Sportgau München-Oberbayern echte Probleme brachte. Man hatte zwar noch immer Frisch und Fröhlich, aber nicht mehr Fromm zu sein; Frei schon gar nicht! Auch hier bewiesen Starnbergs damalige TSV-Vorstände und Mitglieder turnerische Beweglichkeit und diplomatisches Geschick, denn trotz der Gleichschaltung entsprechend den Richtlinien der Partei konnte eine gewisse Parteilosigkeit aufrecht erhalten bleiben.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach natürlich die weitere Entwicklung, Wehrertüchtigung stand nun im Vordergrund. 1944 wurde die Halle dann kriegswichtigen Zwecken zugeführt und nach der Beendigung des Krieges beschlagnahmte diese die amerikanische Besatzungsmacht. Erst 1947, ein Jahr vor der Währungsreform, konnte der Besitz wieder vom Verein übernommen werden.

Mit Hilfe amerikanischer Truppen wurde 1951 ein weiterer Ausbau des Waldspielplatzes zu einem großzügigen Sportgelände begonnen, aber aus bautechnischen und wirtschaftlichen Überlegungen dann nicht mehr weiterverfolgt. Es bot sich nämlich die Lösung an, den Waldspielplatz zu veräußern und für dessen Erlös das Grundstück am Riedener Weg zu erwerben. Ab 1959 begann man dort die Anlagen in einzelnen Bauabschnitten zu erstellen, dabei kam sogar ein Eisstadion ins Gespräch.

Die Einweihung des Sportplatzes am Riedener Weg, nebst dem Umkleidegebäude, erfolgte mit einem Festakt am 17. Sept. 1966, nachdem bereits 1961 die ersten vier Tennisplätze ihrer Bestimmung übergeben waren. Durch diese Anstrengungen und das damit insgesamt beachtliche vereinseigene Angebot an Übungsmöglichkeiten vergrößerte sich der Mitgliederbestand des Vereins nun auf über 1000 Mitglieder.

Bereits 1922 wurden in Starnberg die ersten Sportabzeichen abgenommen, es bestand ein eigener Prüfkreis. 1928 brachte die Boxstaffel beste Erfolge für den TSV (Südbayerische Meisterschaften). Auch nach 1947 versuchte man wieder eine Boxstaffel ins Leben zu rufen; aber nach einigen Jahren gab man diesen Sport wieder auf.

Ab 1930 gehörte Starnberg in der Leichtathletik zu den Dauerbrennern. In den Einzel- wie in den Mehrkämpfen waren die Damen- und Männerriegen des TSV immer erfolgreich. In den Schwimm- und Faustballabteilungen errang man ebenfalls bei allen Gau- und Bezirkswettkämpfen allseits beachtete 1. Plätze und als man 1961 mit eigenen Abteilungen Tennis- und Fechtsport begann, stellten sich auch hier von Beginn an beachtliche Erfolge ein genauso wie im Tennis und Handball.

Erwähnenswert auch die zeitweise sehr erfolgreiche Eishockey-Abteilung, die ursprünglich ab 1947 als loser Buben-Verband bestand, dann aber es zu einer sportlich beachtlichen Abteilung brachte und nach guten Erfolgen sich zu Höherem berufen sah. Da zudem Geld in der TSV-Kasse war, wurde eine aufsehenerregende Fusion mit dem SC Weßling eingegangen. Immerhin gaben die TSV´ler damit in der Bundesliga damit ein Jahr lang ein Gastspiel.

1902 spaltete sich ein Teil des TSV ab und gründete den Turnverein König Ludwig II, der es ebenfalls verstand, sich in Starnberg einen guten Namen zu machen. Allerdings 17 Jahre später siegte wieder die Vernunft und man vereinigte sich wieder am 23. November 1919 mit der Wiederaufnahme im TSV.

Die 1912 gegründete Fußballabteilung machte sich im Zeichen von Turnen und Sport im Jahre 1924 ebenfalls selbständig und bestand dann bis zu ihrer Auflösung 1992 und Bildung des FC Starnberg als Spielvereinigung Starnberg. Eine Stemm- und Ringerriege, die sich im TSV offenbar nicht wohl fühlte, machte sich im November 1927 selbständig und gründete mit dem damaligen Europameister Josef Zimmermann den “Kraftsportverein “Zimmermann” Starnberg”.

Zur Zerreißprobe wurde beinahe das aus dem Verkauf des Waldspielplatzes resultierende Geld in der TSV-Kasse! Nachdem das Grundstück am Riedener Weg glücklich erworben war, ging es um die Ausbauziele. Große Pläne wurden geschmiedet. Um dem Eissport ein Kunsteisstadion am Riedener Weg zu bauen, wurde selbst der Verkauf des Besitzes an der Brunnangerstraße erwogen. Es siegte zuletzt der vernünftige Kompromiss die alte Halle umzubauen und zu erneuern sowie am Riedener Weg das Stadion mit Tennisplätzen zu errichten.

Darüber hinaus steht der TSV mit seinen Einrichtungen auf vielfältige Weise Starnbergs Öffentlichkeit zur Verfügung. So wurde und wird die Übungshalle als Veranstaltungs- und Festsaal benützt und genauso fand jahrzehntelang der Turn- und Sportbetrieb der Starnberger Schulen ausschließlich auf den Anlagen des Vereins statt. Im Sinne des Sports und der Belange der Körperertüchtigung, aber auch in allen anderen Richtungen, die Menschen zusammenfinden lassen, ist der TSV Starnberg seinen Zielen und denen, die den Gründern vorschwebten, immer gerecht geworden.

Den immer größer werdenden sportlichen Angeboten und der steigenden Zahl der Mitglieder entsprach nun allmählich die alte Halle nicht mehr und wurde einfach zu klein und unmodern. Auch hatte der Verein damals dem Breitensport schon absolute Priorität gegeben, zudem konnte die Stadt Starnberg die für den Schulsport erforderlichen Räume kaum mehr aufweisen. In langen Gesprächen wurde nun ein Konzept entwickelt, das allen Beteiligten weitgehend gerecht wurde.

Der Verein stand zuerst vor der Frage ob er die Halle mit dem wertvollen Grund verkaufen soll und dann an anderer Stelle eine neue zu bauen. Schließlich siegte aber die Überlegung, dass durch die Lage in der Stadtmitte, auch wenn es gelegentlich Verkehrsprobleme geben könnte, der alte Platz beibehalten werden solle. Die nahe Lage zu den Schulen und die zentrale Lage machen es für alle Beteiligten möglich, diese zu Fuß zu erreichen.

Der TSV allein war nun allerdings nicht in der Lage auf eigenem Grund einen Neubau zu errichten. In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde nun eine Lösung gefunden und dessen Ergebnis steht heute vor uns. Die Stadt Starnberg erhielt für das Grundstück das Erbbaurecht und errichtete die Halle. Der Verein erhält die Halle zur Nutzung zurück, jedoch mit allen Pflichten; er muss für den laufenden Betrieb und für den Unterhalt sorgen. Die Stadt Starnberg hat tagsüber einen gewissen Anteil an der Halle zur Nutzung durch die Schulen und zahlt dafür auch einen entsprechenden Betrag. Mit dem Bau der neuen Halle hat sich der Verein auch ein neues Logo geschaffen, das das moderne Tragwerk der Dreifachturnhalle versinnbildlichen soll.

Eine weitere Satzungsänderung am 28. April 1995 brachte noch einmal eine Änderung in der Struktur der Verwaltung des Vereins. Oberstes beschließendes Organ ist nun die Delegiertenversammlung, bestehend aus Vereinsrat, Verwaltungsrat und den Delegierten der Abteilungen.

Ein weiteres Zeichen der Zusammengehörigkeit ist die neue am 18. September 1998 durch die Herren Stadtpfarrer Schreiegg und Pfarrer Döbrich geweihte Fahne. Die alte, 1889 geweihte Fahne, konnte seit langer Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt werden, da sie zunehmend brüchig wurde und auch die 1980 geweihte Fahne sollte ersetzt werden.

Die neue Halle brachte nun einen erheblichen Mitgliederzuwachs, es konnten neue Sportarten angeboten werden und auch ein vielfältiges Rahmenprogramm, das auch Nichtmitgliedern zugänglich ist. Eine stattliche Anzahl von Trainern, Übungsleitern und freiwilligen Mitarbeiten – annähernd 100 -, helfen mit dieses Programm zu bewältigen. Seit dem Jahr 2001 werden auch die einzelnen Abteilungen zentral verwaltet. In der Geschäftsstelle kümmern sich drei Angestellte und ein Hausmeister um die Verwaltung und den sportlichen Betrieb.

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